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08.02.2026

Bräuche bringen Gäste

Das Bloch im Appenzeller Hinterland

Das Appenzellerland wird mit Brauchtum in Verbindung gebracht, beispielsweise mit den «Urnäscher Silversterchläusen» am alten Neujahrstag oder dem «Öberefahre», dem festlichen, strikt geregelten Alpaufzug der Bäuerinnen, Bauern und Sennen in Tracht. Diese Bräuche avancierten längst zu Touristenattraktionen, schlau vermarktet von Marketingexperten. Appenzell sells.

Der Appenzell-Ausserrhoder Volkskundler Johannes Schläpfer widmet sich in einem soeben erschienenen, prächtig bebilderten Bildband der Gegenwart und Geschichte des Blochs in Dörfern des Hinterlands wie Urnäsch, Herisau, Stein AR, Hundwil und Teufen, verweist aber auch auf die nationale und internationale (Tirol, Kärnten, Slowenien, Ungarn etc.) Verbreitung dieser kollektiven Veranstaltung, die traditionell Männern vorbehalten war, nun aber auch Mädchen und Frauen anzieht.

Die Jungen jedenfalls ziehen mit, beim «Goofebloch» etwa, auch als Musikantinnen und Musikanten oder Geldeintreiber («Kässeler»). Beim Bloch wird ein sorgfältig ausgewählter, entasteter und geschmückter Baumstamm auf einem Wagen von einer Gruppe geschminkter, karnevalesk verkleideter Männer oder Buben durch die hügelige Gegend gezogen.

Der Wagenmeister sorgt für eine penible Ordnung, auf dem Wagen sorgt ein Schmied für Rauch und Lärm. Der moderne Strassenverkehr wirkt manchmal hinderlich und zwingt auch zu Veränderungen der traditionellen Routen.

Der Brauch könnte ein Fruchbarkeitsritus sein, dies ist umstritten, nachgewiesen ist er in Appenzell-Ausserrhoden erst seit dem späten 18. Jahrhundert.

Blochgesellschaften sorgen im Vorfeld für eine protokollarische, beinahe militärische Ordnung und für Disziplin. Das so bei Zuschauerinnen und Zuschauern und Teilnehmer:innen am Blochball sowie durch die Auktionierung des Blochs erheischte Geld (bis zu 6000 Franken) wird indessen in Wirtshäusern umgesetzt.

Auf dem Weg sorgen der «Ochsen», die «Linde» oder der «Rämsenhof» für das Stillen von Hunger und Durst nach harter Arbeit und strengem Ziehen. Manchmal zahlen die «Blöchler», oft wird ihnen die wohlverdiente Labung offeriert.

Diese Spendabilität sorgte bereits um 1850 für Unmut, als Titus Tobler ganz moralisch und empört über den hohen Alkoholkonsum und den ersten Stumpen der Jungmannschaft klagte. Die Wirte wüssten sich beliebt zu machen durch Gratisgetränke in der Hoffnung, in guter «Erinnerung» zu bleiben. Kein uneigennütziges Verhalten also.

Ob die unerhörte Wirtshausdichte im Appenzellerland des 19. Jahrhunderts auch mit dem Bloch zusammenhängt, ist zumindest zu bedenken. Denn Bräuche bringen Gäste, auch Zuschauerinnen und Zuschauer, die den bekannten «Zäuerlis» gelauscht haben und das Spektakel verfolgten.

Um 1850 war wahrscheinlich sowieso der Höhepunkt des Blochs, zur Zeit des Biedermeiers, zur Zeit der Kutschen und Schlitten. Seither hat sich viel verändert, ein Bloch wurde zu einem reinen Holzfällerblich, die Coronaepidemie bedeutete den Anfang eines «Goofeblochs» mit Mädchen in tragenden Rollen.

Noch 1971 waren Mädchen mit Schimpf und Schande davongejagt worden, als sie «wild» mitmachen wollten. Wie wusste doch bereits der alte Römer: «Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.»

Literatur: Schläpfer, Johannes. Das Bloch. Herisau: Appenzeller Verlag 2026.

Dr. phil. Fabian Brändle, Wil SG, Historiker und Volksschriftsteller

Bild: Appenzeller Verlag


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